KFZ-Unfall: Braucht man einen Sachverständigen?

Sollte man nach einem Kfz Unfall die Regulierung allein der Versicherung bzw. der gegnerischen Versicherung überlassen oder sollte man selbst einen Sachverständigen hinzu ziehen?

Zu dieser Frage nimmt Andreas Hoppe vom Sachverständigenbüro Hoppe und Ganter aus Achern Stellung:

Drei Fälle sind zu unterscheiden:

1.) reiner Haftpflichtschaden, der Fahrzeughalter ist also nicht Schuld
2.) Quotenschaden durch Teilschuld oder Betriebsgefahr
3.) reiner selbstverschuldeter Schaden (egal, ob mit oder ohne Kasko-Versicherung)

Im 3. Fall kann der Fahrzeughalter zwar ein Gutachten in Auftrag geben, aber er bekommt die Kosten nicht zurück erstattet, sodass es sich für ihn nicht rechnen wird. Sollte er jedoch Kasko versichert sein, sollte er den Kasko-Versicherer zur Beauftragung eines Sachverständigen auffordern, um später eine Schadensdokumentation zu haben. Warum die wichtig ist, kommt nachfolgend, wenn es umdie Fälle 1 und 2 geht.

Sofern der Versicherer keinen Sachverständigen schicken will, übernehme ich auch gerne die Schadensdokumentation (kostenfrei, wenn keine Demontagearbeiten erforderlich sind), um bei späteren Streitigkeiten helfen zu können.

In den Fällen 1 und 2 ist die Einschaltung eines unabhängigen, freien Sachverständigen aus folgenden Gesichtspunkten heraus geboten:

a) Unabhängige und ordentliche Schadendokumentation, ggf. auch im Hinblick auf spätere Streitigkeiten zum Schadenhergang

b) Unabhängige Ermittlung des erforderlichen Reparaturweges, ohne dass möglicherweise Interessenskollisionen unterstellt werden (bspw. bei Kostenvoranschlag durch eine Werkstatt)

c) Ermittlung des merkantilen Minderwerts

Letztlich stellt ein objektiver Dritter den Schaden fest, denn beispielsweise ist ein Kostenvoranschlag kein gerichtsfester Beweis.

Im Fall 1 kann der Kunde die Kosten des Gutachtens als Schadenersatz geltend machen. Lediglich dann, wenn ein Bagatellschaden vorliegt, geht das nicht. In einem solchen Fall erstatte ich jedoch auch kein Gutachten, sondern eine Reparaturkostenkalkulation mit Bildern. Hierdurch ist die unabhängige Schadenfeststellung gewahrt und der Kunde hat kein Kostenrisiko.

Im Fall 2 bekommt der Kunde die Gutachtenkosten nicht vollständig als Schadenersatz wieder. Aber gerade in Quotenfällen kann die ordnungsgemäße Dokumentation der Schäden und Schadspuren zu einer besseren Quote führen. Sofern der Kunde zudem Vollkasko versichert ist, kann er zudem über die kombinierte Kasko-Haftpflicht-Abrechnung einen vollständigen Schadenausgleich erreichen, ohne einen Nachteil zu haben.

Wichtig ist immer die unabhängige und vollständige Schadenfeststellung, -dokumentation und -ermittlung, damit hinterher kein Geld fehlt.

Andreas Hoppe

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