Nie nach unten? Die Wahrheit über Höchststand-Garantien

Der Lebens- und Rentenversicherungsmarkt ist im Umbruch. Die Versicherer bieten ihren Kunden seit 2015 vermehrt Alternativen zu klassischen Versicherungen an.

Bunten Prospekten zum Trotz, auf denen alles total einfach aussieht, werden die Angebote immer komplexer. Kunden kommen nicht umhin, sich die Tarife von einem Fachmann erläutern zu lassen, bevor sie eine passende Lösung wählen können. Sonst fallen sie auf Werbeversprechen hinein, wie es einigen schon vor über 10 Jahren passiert ist.

Denn schon 2003 kamen die ersten Angebote fondsgebundener Versicherungen mit neuen Garantien auf den Markt. Diese Policen mit Höchststandgarantie wurden massiv von der Skandia und von der Aachen Münchener über die „Deutsche Vermögensberatung (DVAG)“ vertrieben. Auch heute sind sie dort noch im Angebot.

Allerdings versteht kaum ein Kunde, was er da genau hat. „Mein Vertrag macht alle Wertsteigerungen mit, geht aber nie nach unten“, ist manchmal noch die Erinnerung aus der sogenannten Beratung des Vermögensberaters. Dass dieses jeglicher Logik widerspricht, leuchtet bei einem rhetorisch geschulten Verkaufsgespräch nicht gleich ein. Dass zudem der Höchststand des in der Police hinterlegten Garantiefonds und nicht der des Aktienmarkts garantiert ist, wissen viele auch nicht beim Abschluss.
Solche Produkte vermitteln das Bedürfnis nach Sicherheit. Die Wahrheit ist: Statt toller Renditen gibt es vielleicht nur einen minimalen Zins weit ab von den Hochrechnungen mit 6 oder gar 9% Wertentwicklung. Einige dieser Fonds-Policen steigen im Wert trotz guter Börsenentwicklung weniger als rein klassische Lösungen. Der Grund: Das Geld des Kunden steckt ab einem bestimmten Zeitpunkt statt in Aktien nur noch in minimal verzinsten Anlagen. Je kürzer die Restlaufzeit des hinterlegten Garantiefonds und je höher die Schwankungen der Aktienmärkte, desto schneller wird dieser Punkt erreicht, der „Monetarisierung“ genannt wird.

Die Grafik zeigt diese Problematik auf. Nur solange der Kurswert des Garantiefonds größer ist, als der aktuelle Wert (Barwert) der ausgesprochenen Garantie, kann der Fonds tatsächlich in Aktien investieren. Der Barwert der Garantie steigt kontinuierlich während der Laufzeit des Fonds an. Wenn der Kurs fällt und nicht mehr höher ist, als der Wert der Garantie, kann nicht mehr in Aktien investiert werden, weil die Garantie nicht mehr eingehalten werden könnte. Damit sind weitere Wertsteigerungen nicht mehr möglich und das über Jahre hinaus.

Wie sieht das nun an einem konkreten Beispiel aus? Nehmen wir an, es gibt eine Police, bei der der Garantiefonds Flexpension 2016 hinterlegt ist. Diese Garantiefonds laufen immer maximal 15 Jahre und enden immer vor Fälligkeit der Versicherung. Wenn die Versicherung noch läuft und der Garantiefonds abläuft, wird das Kapital in einen neuen Garantiefonds umgeschichtet. Wenn bei einer solchen Umschichtung im „alten“ Fonds das Garantieniveau höher ist, als der aktuelle Kurs, dann muss auch der neu aufgelegte Fonds dasselbe Verhältnis aus Garantieniveau und Kurs haben. Diese Altlasten können dazu führen, dass ein neuer Fonds schon mit geringem Aktienanteil startet, weil der Barwert der Garantie durch diese Altlasten steigt. Die Chance auf eine gute Wertentwicklung des Vertrages bleibt dann weiterhin gering.

Fazit: Fonds-Policen mit Höchststandgarantie haben Schwächen, derer sich Kunden bewusst sein sollten. Erkennbar sind diese Policen z.B. am Fondsname „DWS FlexPension“ im Vertrag. Eine Überprüfung dieser Verträge ist geboten. In der Grafik oben ist zu erkennen, dass Anleger mit Aktienfonds hohe Gewinne einstreichen konnten, während der Garantiefonds seit Jahren ohne nennenswerten Wertzuwachs bleibt. Wäre der Dax ab 2012 weiterhin gefallen, hätten die Anleger im Garantiefonds im Gegensatz zu DAX-Anlegern kein weiteres Geld verloren. Wer jedoch davon ausgeht, dass die Kurse der Aktien langfristig fallen, sollte sich überlegen, ob er überhaupt in diesem Bereich investieren will. Die FlexPension Fonds 2015, 2016, 2017 und 2018 liegen aktuell jedenfalls alle bei einer Wertentwicklung von jährlich unter 3% in den letzten 10 Jahren. Vor Kosten des Versicherungsmantels.

Die untenstehende Grafik zeigt die letzten 10 Jahre auf. Fondssparer konnten die Schwankungen des Aktienmarktes nutzen und zwischenzeitlich günstig Anteile kaufen. Nicht so, wenn die Beiträge in den FlexPension 2018 gingen. Sie wissen nun, in welcher Phase sich dieser Fonds schon seit Mitte 2012 befindet.

Darum: Prüfen Sie Ihre bestehenden Verträge und Angebote, wenn Sie einen neuen Vertrag schließen. Ausschließlichkeitsvermitter (Versicherungsvertreter) und „Vermögensberater“ haben nur eine eingeschränkte Auswahlmöglichkeit bei den Angeboten. Ein geschulter Versicherungsmakler hat den Überblick über die verschiedenen Angebote und kann diese erläutern und vermitteln. Werden Sie sich bewusst, welche Chancen Sie suchen und welche Risiken Sie bei der Altersvorsorge eingehen möchten. Auch eine Höchststandgarantie ist ein Risiko bei der Geldanlage.

Bei einer guten Beratung wissen Sie sich einzuordnen und kennen verschiedene Lösungen, bevor Sie einen Vertrag unterzeichnen. Und zwar den, dessen Struktur sie verstanden haben und der zu Ihnen passt.

In den nächsten Wochen beleuchte ich weitere Garantiemodelle. Tragen Sie sich gerne für meinen Newsletter ein, dann verpassen Sie die Artikel nicht.

Grafiken: Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (2), fondsweb (2) mit Anmerkungen des Autors.

Ralph AudörschNie nach unten? Die Wahrheit über Höchststand-Garantien