Lebensversicherungen neu geregelt mit dem LVRG

Das Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) hat im Juli 2014 alle politischen Hürden genommen und kann in Kraft treten. Ziel des Gesetzes ist es, die Leistungsfähigkeit der Lebensversicherungen in Deutschland zu sichern und die Versicherungsnehmer zu schützen.

Ein wichtiger und viel diskutierter Punkt des Gesetzes ist die Behandlung der Bewertungsreserven der Versicherungsgesellschaften.

Die bestehenden Regelungen zur Beteiligung an den Bewertungsreserven werden angepasst, um sicherzustellen, dass alle Versicherten auf gerechte Art und Weise daran beteiligt werden. Die Ausschüttung von Bewertungsreserven an die ausscheidenden Versicherten wird begrenzt, soweit dies notwendig ist, um die den Bestandskunden zugesagten Garantien zu sichern. So sollen Milliardenabflüsse von Scheingewinnen auf festverzinsliche Wertpapiere unterbunden werden. Die künstlich hohen Buchgewinne sind durch die schon lange anhaltende Niedrigzinsphase entstanden. Es ist dafür keine Übergangsfrist vorgesehen, so dass die Neuregelung am Tag nach der Veröffentlichung des LVRG im Bundesgesetzblatt in Kraft tritt. Von der Neuregelung der Bewertungsreserven-Verteilung profitieren vor allem die Kunden mit noch längeren Restlaufzeiten ihrer Verträge und die schwächeren Lebensversicherer. Denn wenn der Sicherungsbedarf zur Gewährleistung der Garantien die Reserven auf festverzinsliche Papiere übersteigt, müssen diese Lebensversicherer die Kunden nicht mehr an den Reserven beteiligen. An dieser Stelle zeigt sich wiede einmal, wie wichtig es ist bei Abschluss eines Vertrages nicht nur auf das Angebot zu schauen, sondern sich auch mit der Unternehmenssicherheit und Solvenz des Anbieters zu beschäftigen.
Kunden mit sehr kurzen Restlaufzeiten müssen mit Einbußen bei der Höhe der Ablaufleistungen rechnen. Verträge, die zum Beispiel 2015 auslaufen, könnten lukrativer sein, wenn sie jetzt gekündigt würden, bevor die neuen Regeln angewendet werden. Bei längeren Restlaufzeiten ist durch eine vorzeitige Kündigung kein Vorteil zu erwarten.

Im Gesetz wird auch ein Ausschüttungsverbot geregelt, das ebenfalls im Zusammenhang mit dem Sicherungsbedarf steht. Wenn der Sicherungsbedarf für die Garantien den Bilanzgewinn übersteigt, werden nicht nur die Ausschüttungen bei den Bewertungsreserven reduziert, sondern auch Dividendenzahlungen an Aktionäre. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit sind hiervon nicht betroffen, da sie keine Gewinne an Aktionäre ausschütten müssen, sondern diese über die Überschußbeteiligung den Versicherten zu Gute kommen lassen. Diese Überschußbeteiligung muss mit dem Gesetz bei mindestens 90% liegen. Bisher waren es mindestens 75%. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit liegen bereits heute bei deutlich über 90%.

Der Garantiezins wird ein weiteres Mal gesenkt. Ab 2015 wird er bei 1,25% liegen. Bislang beträgt er 1,75%. Einerseits ermöglicht dieses den Versicherungen mehr Freiheit bei der Kapitalanlage, andererseits werden klassische Versicherungsformen bei geringen Laufzeiten keine positive Rendite mehr garantieren können. Dieser Umstand wird zu neuen Angeboten zwingen, denn in der Betrieblichen Altersvorsorge und bei Riester- sowie Basisrenten sind diese Garantien ein wichtiger Bestandteil des Vertrages. Statt der klassischen Lebens- oder Rentenversicherung werden Verträge mit modifizierten Garantien auf den Markt kommen.

Ebenfalls wurden bei den Abschlusskosten die Stellschrauben gedreht und die Kostentransparenz erhöht. Die in den letzten Monaten diskutierte Provisionsdeckelung wird so umgesetzt: Die bilanzielle Anrechenbarkeit der Abschlusskosten beträgt maximal 25 Promille der Beitragssumme eines Vertrages. Bislang sind es 40 Promille. Schritt für Schritt geht es zu einer umfassenden Transparenz der Kosten. Was im LVRG noch nicht abschließend geregelt ist, wird in Durchführungsbestimmungen justiert. An die Tür klopft aber auch bereits eine EU-Richtlinie für Finanzprodukte, welche den Kostenausweis weiter vorantreibt und vereinheitlichen will, womit verschiedene Anlageformen besser vergleichbar werden sollen.

Ralph AudörschLebensversicherungen neu geregelt mit dem LVRG