Pflicht zur Betriebsrente?

Nachdem Ministerin Andrea Nahles (SPD) ihr Rentenpaket zugestellt hat, macht sie sich Gedanken um einen weiteren Baustein der Rente: Die betriebliche Altersvorsorge. Nur rund 40% der Arbeitnehmer würden diese bisher nutzen, obwohl jeder ein verbrieftes Recht darauf hat. Die Arbeitsministerin hält die betriebliche Altersvorsorge für einen wichtigen kapitalgedeckten Baustein der Altersvorsorge, der vor allem bei kleinen und mittelständischen Betrieben kaum vorzufinden ist.

Die Betriebsrente könnte nach Ansicht von Frau Nahles per Gesetz zur Pflicht werden. „Es wird über ein Opting-out diskutiert werden“, sagte Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe in der Union, dem Tagesspiegel. Die Idee: Jeder Arbeitnehmer hätte automatisch eine Betriebsrente, es sei denn, er widerspricht dem ausdrücklich. Ein System, das in ähnlicher Form bereits in Dänemark oder Großbritannien betrieben wird und für das es auch in der SPD große Sympathien gibt. In der Union regen sich dagegen Vorbehalte gegen die Vereinnahmung der Arbeitnehmer.

Denn: Die Betriebsrente lohnt sich nicht in jedem Fall! Bei einer Entgeltumwandlung verzichtet der Arbeitnehmer auf Teile seines Lohnes, die stattdessen für den Aufbau der Betriebsrente verwendet werden. Dabei spart er Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf den umgewandelten Betrag. Doch der Arbeitgeber spart bei den Sozialversicherungen ebenfalls, denn auch er braucht seine Hälfte darauf nicht mehr entrichten. Im Ruhestand werden dann aber die Krankenkassenbeiträge allein vom Rentner bezahlt, da es keinen Arbeitgeber mehr gibt, der sich zur Hälfte beteiligen würde.

Zahlt der Arbeitnehmer die betriebliche Vorsorge komplett selbst, seien die vermeintlichen Vorteile der betrieblichen Vorsorge eine „Milchmädchenrechnung“, meint Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten. Erst durch zusätzliche Arbeitgeberbeiträge gewinnt diese Form an Attraktivität. Einige Arbeitgeber sind per Tarifvertrag dazu verpflichtet. Andere bieten Zuschüsse auf freiwilliger Basis an.

Attraktiv ist die Firmenrente auch eher bei hohem Verdienst, da durch das Modell Steuern gespart werden können. Bei Geringverdienern ist der Steuereffekt geringer ausgeprägt. Dabei ist der Begriff „Steuer sparen“ nicht ganz korrekt. Es handelt sich eher um eine Steuerstundung, da später auf die Betriebsrente Steuern zu entrichten sind.

Ob eine Betriebliche Altersvorsorge sinnvoll ist, muss also im Einzelfall geprüft werden. Eine gesetzliche Pflicht wäre meines Erachtens demnach nicht sinnvoll. Ob Arbeitnehmer ein Opt-Out Modell verstehen und nutzen würden ist nicht sicher. Eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema und bewußte Wahl (Opt-In) ist für den Arbeitnehmer günstiger, denn so macht er sich auch insgesamt mehr Gedanken um seine Altersvorsorge.

Punkte, die eine betriebliche Altersvorsorge empfehlenswert machen:

  • das Beschäftigungsverhältnis bei dem Arbeitgeber ist nicht nur kurzfristig ausgelegt
  • der Arbeitgeber beteiligt sich mit zusätzlichen Beiträgen bei einer Entgeltumwandlung
  • der Arbeitnehmer kann durch eine Entgeltumwandlung spürbar Steuern sparen

Gerne kann ich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu diesem Thema beraten und Entscheidungshilfen geben.

 

Ralph AudörschPflicht zur Betriebsrente?

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