Steigende Geburtenrate würde Babyboomern zu schaffen machen

Das Bundesministerium der Finanzen hat im Februar 2016 dem Bundeskabinett den „Vierten Bericht zur Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen“ vorgelegt.
Dieser Bericht macht deutlich, dass den Babyboomern kaum mehr zu helfen ist bei ihrer gesetzlichen Altersvorsorge.
Nur wenn mehr Frauen und mehr Zuwanderer einer Erwerbstätigkeit nachgehen, könnte sich die Lage etwas verbessern. Eine steigende Geburtenrate wäre sogar problematisch.

Die dem Tragfähigkeitsbericht zugrunde liegenden Modellrechnungen projizieren die hypothetische Entwicklung der staatlichen Finanzen bis ins Jahr 2060. Der Bericht dient damit als „Frühwarnsystem“ einer vorausschauenden Finanzpolitik. Sein Schwerpunkt liegt auf den Aufgaben, die sich aufgrund des demografischen Wandels ergeben.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die so genannte Tragfähigkeitslücke, die den Handlungsbedarf im Hinblick auf langfristig solide Finanzen aufzeigt, nach wie vor erheblich ist.

Um dem entgegenzuwirken, soll die Erwerbsbeteiligung von Frauen gesteigert werden und es soll eine verstärkte Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte geben.
Welche Auswirkungen die Zuwanderung der Flüchtlinge hat, ist derzeit nicht abzusehen.

Die Überalterung der Gesellschaft ist ein großes Problem.
Langfristig dämpfen lässt sich das Problem nur, wenn die Geburtenzahlen in Deutschland wieder dauerhaft steigen. Ein starker und rascher Anstieg der Geburtenraten, etwa auf das Niveau der USA (1,9) oder Frankreich (2,0), würde zunächst im betrachteten Zeithorizont zusätzliche öffentliche Bildungs- und Betreuungsausgaben in Folge der steigenden Zahl von Kindern mit sich bringen.

Ein derartiger Anstieg könnte aber dann im weiteren Zeitverlauf einen positiven Effekt auf die Erwerbsbevölkerung haben. Wenn hinreichend viele der zusätzlich geborenen Kinder die aktive Lebensphase erreichten und dann ihrerseits mehr Kinder hätten, reagierten demografiesensitive Größen, etwa der Altenquotient oder die Schuldenstandquote, deutlich. Dies wäre in den Modellrechnungen jedoch nicht vor dem Jahr 2055 der Fall.

Den Babyboomern, also den in den sechziger Jahren Geborenen, wird damit nicht mehr geholfen sein. Im Gegenteil: sollte die Geburtenrate steigen, was absolut wünschenswert ist, würde genau dann, wenn die 60er Jahrgänge in die Rente gehen, der Verteilungskampf um öffentliche Mittel zwischen jung und alt stärker werden.

Ralph AudörschSteigende Geburtenrate würde Babyboomern zu schaffen machen