Corona, Kurzarbeit und Betriebsschließung: Wie helfen die Versicherungen?

Ralph Audörsch Aus der Praxis

Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Die Bundesregierung hat Unternehmen den Zugang zum Kurzarbeitergeld vereinfacht. Doch sowohl Firmen als auch Arbeitnehmer fürchten um ihre Liquidität durch Schließungen, wegbrechende Einnahmen, Kurzarbeit oder sogar Jobverlust. Laufende Kosten müssen im Einzelfall reduziert werden. Hier kommen die Versicherungen den Versicherungsnehmern entgegen. Doch es gibt auch weitere Hilfen abseits der Liquiditätsfragen.

Welche Hilfen bieten die Versicherungen an?

Zunächst besteht bei Rentenversicherungen wie immer grundsätzlich die Möglichkeit einer vorübergehenden Beitragsfreistellung oder Beitragspause. Einzelheiten sind jedoch je nach Tarif zu berücksichtigen. Durch Corona hervorgerufen werden nun aber auch längerfristige Beitragsstundungen ermöglicht. Häufig bis zu 6 Monaten, einige Anbieter bis zu 12 Monaten. Die Beiträge können nachgezahlt werden oder sie werden mit späteren Leistungen verrechnet. Die Möglichkeit der Beitragsstundung ist besonders wichtig für Berufsunfähigkeitsversicherungen oder Risiko-Lebensversicherungen. Denn während der Stundung bleibt der Schutz vollständig erhalten.

Bei Sachversicherungen ermöglichen viele Versicherungen eine Änderung der Zahlweise auf monatlich statt jährlich ohne den sonst üblichen Aufschlag auf die unterjährige Zahlweise. Auch hier gibt es Angebote einer Beitragsstundung. Geprüft werden kann auch die Reduzierung des Versicherungsschutzes (geringere Summen oder Änderung der Tarifstufe von z.B. „Premium“ auf „Basis“).

Privat Krankenvollversicherte haben je nach Anbieter die Möglichkeit, ihren Vertrag auf einen Tarif mit geringerem Leistungsumfang umzustellen, um Beiträge zu sparen. Innerhalb von maximal sechs Monaten können Versicherte ohne erneute Gesundheitsprüfung in den ursprünglichen Tarif zurückwechseln. Auch eine Anwartschaftsversicherung kann beantragt werden für Wahl-Tarifbausteine, die nicht zwingend benötigt werden. Zum Beispiel 1-Bett-Zimmer, Kurtagegelder oder ähnliches. Während der Anwartschaft besteht hierzu kein Versicherungsschutz, jedoch kann er ohne Gesundheitsfragen jederzeit wieder aktiviert werden. Darüber hinaus bieten manche Krankenversicherer speziell zum Thema Hotlines an mit Infos zu Ambulanzen oder Teststellen. Online-Sprechstunden per Telefon, Video oder Chat können genutzt werden. Die Telemediziner stellen auch Rezepte oder Überweisungen sowie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus. Die Rechnung für das Arztgespräch erstattet die Versicherung nach dem jeweils versicherten Tarif.

Um persönliche Kontakte zu vermeiden, weisen Versicherer verstärkt auf ihre Online-Portale hin. Kunden- oder Vertragsdaten können hier gemanagt und natürlich auch Schäden gemeldet werden. Rechtsschutzversicherungen bieten ohnehin telefonische Rechtsberatung an. Ein Schmankerl bietet die ARAG-Rechtsschutzversicherung an: Telefonieren Sie am 9. April von 10 bis 18 Uhr einfach mit einem Anwalt auch wenn Sie kein Kunde der ARAG sind! Es handelt sich dabei um den Service, der sonst nur den Kunden zur Verfügung gestellt wird. Telefon: 0211-9632055.

Die Basler Unfallversicherung hat sich etwas anderes einfallen lassen: Sie schenkt Kindern eine Unfallversicherung bis Mitte Mai. Erst danach wird sie beitragspflichtig.

Firmenkunden

KFZ-Flotten können eine beitragsfreie Ruheversicherung ohne amtliche Stilllegung beantragen. Die Zulassungsstellen haben ja geschlossen. Zudem kann die jährliche Gewinnbeteiligung für Firmenkunden mit gutem Schadenverlauf vorgezogen werden. Achtung! Wenn Lkw und Zugmaschinen, die bisher nur für den Werkverkehr im Einsatz waren, während der Corona-Zeit auch für den Güterverkehr und damit beispielsweise für die Lieferung von Lebensmitteln genutzt werden sollen, ist diese Wagnisänderung mit der Versicherung zu verhandeln.

Streit gab es um die Betriebsschließungsversicherungen. Viele Versicherer sahen sich nicht in der Pflicht. Nur wenige zahlten ohne Einwände. Dieser Streit soll nun beigelegt werden. Zunächst in Bayern lautet der Kompromiss: 10 bis 15 Prozent der vereinbarten Tagessätze sollen Gaststätten und Hotels erhalten, die eine Versicherung abgeschlossen haben und deren Anwendung strittig ist. Allianz, Haftpflichtkasse und Nürnberger haben schon angekündigt, dass sie die für Bayern entwickelte Lösung bundesweit ausdehnen wollen und auch für andere Branchen öffnen möchten. Unternehmen, die eine Kulanzzahlung wählen, müssen auf alle Ansprüche aus einer BSV-Police verzichten und können dann auch keine Leistung mehr einklagen.

Noch zwei weitere interessante Fundstellen

Die Deutsche Familenversicherung bietet ein großes medizinisches Info-Portal zum Virus

Wem das Dach auf den Kopf fällt kann kostenlos psychische Hilfe bekommen. Online versteht sich: Selfapy

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