Der „rosa Zettel“: Der (Un)sinn der Schüler-Zusatzversicherung

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September 2014, 2015, 2016, 2017 – Auch zu Beginn dieses Schuljahres wird der rosa Zettel der BGV „Versicherungsausweis für die Schüler-Versicherungen“ an jeden Schüler verteilt mit der Bitte, ihn möglichst umgehend inklusive Geld wieder dem Lehrer zurück zu geben.

Bei mehr als 1,5 Mio. Schülern ist hier für die BGV ein großes Potenzial und der Vertrieb dieser Versicherung über die Lehrer ist zudem kostengünstig. So kommen bei einem bis acht Euro pro Schüler Millionen für den Versicherer zusammen. Weil viele Eltern ahnungslos sind und weil es wenig kostet und ja schließlich von der Schule verteilt wird, schließen viele diese Versicherung ab, obwohl sie für die meisten Familien keinen Nutzen darstellt.

Was ist drin in der Schüler-Zusatzversicherung?

1.) Unfallversicherung

Diese leistet nur während der versicherten Tätigkeit! Diese kommt in der Praxis jedoch sehr selten vor. Denn: Entweder ist der Schüler privat unterwegs, oder er steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. In beiden Fällen greift diese Unfallversicherung nicht! Nur sehr wenige Fälle könnten zu einer Leistungspflicht führen.

Empfehlung: Wenn Ihnen Unfallversicherungsschutz wichtig ist, schließen Sie für Ihr Kind eine Unfallversicherung ab, die weltweit und 24 Stunden am Tag Versicherungsschutz bietet! Solche gibt es schon ab 2 Euro im Monat. Wenn Sie bereits eine Unfallversicherung haben, prüfen Sie die Versicherungssummen.

2.) Sachschadenversicherung

Hier sind Sehhilfen, Prothesen, Zahnspangen, Hörgeräte und Kleidungsstücke versichert, wenn sie im Sportunterricht oder bei einem Unfall in der Schule oder auf dem Schulweg kaputt gehen. Es gibt aber nur eine Zeitwerterstattung. Bei einem Alter von drei Jahren der beschädigten Sache sind dieses noch 20% des Anschaffungspreises. Zudem ist die Höchsterstattung auf 300 Euro begrenzt. Andere Sachen sind nicht versichert!

Empfehlung: Die Gefahr, dass eine der versicherten Sachen, tatsächlich im Sportunterricht kaputt geht, ist gering. Wenn doch, gibt es nur eine geringe Erstattung, welche nicht für eine Neuanschaffung ausreicht. Daher darf sie als verzichtbar angesehen werden.

3.) Haftpflichtversicherung

Diese Versicherung sollte für jede Familie sowieso bestehen und durch die Schülerversicherung entstünde eine Doppelversicherung. So steht in den Bedingungen der Schülerzusatzversicherung: „Besteht eine andere Haftpflichtversicherung, entfällt der Versicherungsschutz aus diesem Vertrag“.

Empfehlung: Prüfen Sie, ob Sie eine Haftpflichtversicherung für die Familie haben. Wenn nicht, schließen Sie umgehend eine ab. Dann ist auch der Schüler während der Schulzeit versichert.

Was ist drin in der Fahrradversicherung?

Beim Diebstahl oder Zerstören des Fahrrades auf dem Schulhof gibt es eine Zeitwerterstattung, also nur einen Teil der ursprünglichen Anschaffung. Zudem liegt die Höchsterstattung bei 600 Euro bei einem Selbstbehalt von 10 Euro. Wird das Fahrrad bei einem Schulwegunfall beschädigt, wird die Reparatur innerhalb der Entschädigungsgrenzen gezahlt. Doch Achtung: Ein Hinfallen des Fahrrades ist noch kein Unfall!

Empfehlung: Wenn Ihr Kind mit dem Fahrrad zur Schule fährt und eine Diebstahlgefahr besteht, können Sie das Fahrrad innerhalb der Hausratversicherung versichern. Hier wird bei Diebstahl stets der Neuwert erstattet. Bei einem unverschuldeten Schulwegunfall muss der Unfallgegner auch für das beschädigte Fahrrad aufkommen.

 

 

 

 

 

Ralph AudörschDer „rosa Zettel“: Der (Un)sinn der Schüler-Zusatzversicherung