Entmündigt und bevormundet? So hat man plötzlich eine Betreuung

Ralph Audörsch Generationenberatung

Plötzlich ist es passiert: Der Unfall oder die Krankheit. Und wenn Sie Ihre Angelegenheiten von einem auf den nächsten Tag dann nicht mehr selbst regeln können?

Brauchen Sie dann Unterstützung in Rechtsangelegenheiten oder bei der Entscheidung, wie eine Krankheit oder Unfallfolge zu behandeln ist, wird das Betreuungsgericht eingeschaltet.
Es bestellt einen Betreuer. Außer, Sie haben vorher eine Person Ihres Vertrauens bevollmächtigt, die Dinge in die Hand zu nehmen.
Eine Betreuung zu verhindern, ist das Ziel meiner Generationenberatung. Teil dieser Beratung ist, über die Möglichkeiten einer Vollmacht aufzuklären und allgemein zu erläutern.

Bei einer bestehenden Vollmacht wird ein Betreuer, der eine fremde Person sein kann, nicht bestellt. Die Vollmacht jedoch muss einige Punkte erfüllen, um rechtswirksam und anwendbar zu sein. Jedoch ist nur in wenigen Fällen für die Erstellung eine Rechtsberatung durch einen Anwalt notwendig.*

Die Generationenberatung gilt nicht als Rechtsberatung sondern hilft, selbständig eine Vollmacht mit offiziellen Formularen des Justizministeriums zu erstellen und bietet darüber hinaus weitere Leistungen, die hier erläutert sind.

Aber was, wenn es keine Vollmacht gibt?

Früher kannte man den Begriff „Vormund“ und „Entmündigung“. Erst seit 1992 wurden diese Begriffe ersetzt durch „Betreuer“ und „Betreuung“. Von Betreuung betroffen sind Volljährige, die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen können. Es kann sich dabei um Vermögens-, Renten- oder Wohnungsprobleme, aber auch um Fragen der Gesundheitsfürsorge oder des Aufenthalts handeln, die zu lösen sind.

Gegen den Willen eines Betroffenen darf ein Betreuer nicht bestellt werden. Wenn der Betroffene seinen Willen aber bedingt durch Unfall- oder Krankheitsfolgen nicht äußern kann, wird er die Betreuung nicht verhindern können. Natürlich denkt man zunächst an Familienangehörige, die Alltagsangelegenheiten regeln können. Um den Haushalt zu führen, die Wohnung sauber zu halten oder tägliche Besorgungen zu machen, braucht man kein Betreuer sein.

Sobald jedoch Rechtsgeschäfte erledigt werden müssen, ist diese Art der Unterstützung an ihre Grenze geraten. In diesen Bereich dringt man schnell vor. Jeder Vertrag, jede Kündigung, kurz gesagt: Alles, was eine Rechtsfolge hat und durch eine Willenserklärung oder schlüssiges Handeln herbeigeführt wird, gilt als Rechtsgeschäft.

Somit auch eine ärztliche Behandlung. Natürlich erfolgt eine Akutbehandlung immer, da das Wohl des Menschen an erster Stelle steht. Jedoch: Wenn es dann um die weitere Versorgung geht, eventuell um eine Unterbringung oder eine weitergehende Operation, benötigt der Behandler eine Einwilligung.
Wenn diese der Patient nicht geben kann und eine bevollmächtigte Person nicht vorhanden ist, muss sich der Arzt an das Betreuungsgericht wenden.

Dieses bestellt dann einen Betreuer. Das kann eine nahestehende Person sein oder ein Mitglied eines Betreuungsvereins, ein selbständiger Berufsbetreuer, aber auch eine bei einem Betreuungsverein angestellte oder bei der zuständigen Behörde beschäftigte Person.

Sollte statt einer Vollmacht eine Betreuungsverfügung vorliegen, welche in der Generationenberatung ebenfalls vorgestellt wird, wird diese bei der Auswahl berücksichtigt. In dieser Verfügung hat der Betroffene zu gesunden Zeiten vermerkt, wer als Betreuer für ihn in Frage kommt.

Das Gericht folgt dieser Verfügung nur dann nicht, wenn die vorgeschlagene Person aus Sicht des Gerichtes dem Wohl des betroffenen Menschen zuwiderlaufen könnte. Das könnte sein, wenn das Gericht feststellt, dass es im Nachhinein zu Spannungen zwischen diesen Personen gekommen ist oder die wirtschaftlichen oder persönlichen Verhältnisse des gewünschten Betreuers Misstrauen beim Gericht hervorrufen. Auch mögliche Interessenkonflikte werden beleuchtet. Einzelheiten beschreibt das Bürgerliche Gesetzbuch im § 1897
Ein Interessenkonflikt entsteht zum Beispiel bei einer Heimunterkunft, wenn der Betreuer gleichzeitig Beschäftigter in dem Heim ist.

Eine Betreuungsverfügung kann natürlich auch umgekehrt formulieren, wen man auf keinen Fall als Betreuer haben möchte. Davon abgesehen, kann fast jede Person Betreuer werden, sofern diese in der Lage scheint, die Betreuung zu übernehmen. Gültige Kriterien hierfür gibt es allerdings nicht. Auch für einen Berufsbetreuer nicht. Dieser braucht lediglich vor seinem ersten Auftrag ein Führungszeugnis vorlegen und eine Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis. Qualifikationen werden nicht erfragt.

Welche Aufgaben der Betreuer übernehmen kann und was das Gericht damit zu tun hat, beschreibe ich in einem nächsten Artikel.

* Im Anschluss an eine Generationenberatung kann es gezielte persönliche Fragen geben im Zusammenhang mit Vollmachten, Patientenverfügung und Testament. Gut vorbereitet ist eine anschließende Rechtsberatung bei einem Rechtsanwalt sehr effektiv und klärt die personenbezogenen Fragen vollständig.
Bild von truthseeker08 auf Pixabay