Nachhaltige Geldanlage ist „ESG“ – wenn es so einfach wäre

Ralph Audörsch Altersvorsorge, Investment

Die Europäische Union will das Thema Nachhaltigkeit bei Geldanlagen stärker als bisher zum Gegenstand gesetzlicher Regulierung machen. Dabei will man über ökologische Aspekte hinausgehen und Nachhaltigkeit in mehreren Lebensbereichen fördern. Gemeint sind damit soziale Aspekte und die der Unternehmensführungen. Abgekürzt lautet das dann ESG. Enviroment, Social, Governance.

Doch obwohl der Wunsch von Privatanlegern nach mehr Nachhaltigkeit gewachsen ist, wird die Politik wohl noch einige Jahre brauchen, bis sie gesetzliche Regelungen auf den Weg gebracht hat. Aber es ist auch keine einfache Aufgabe festzulegen, ab wann etwas als Nachhaltig bezeichnet werden kann und wie es dann kontrolliert werden soll. Wann ist etwas umweltfreundlich? Absolut oder im Vergleich zu was? Wann sind soziale Aspekte erfüllt? Reicht der Mindestlohn und Urlaubsanspruch oder sollte es auch eine Gewerkschaft geben? Und was genau eine nachhaltige Unternehmensführung ausmacht, muss auch erst einmal definiert und dann in einen Konsens gebracht werden. Einhaltung der Menschenrechte, keine Diskriminierung, Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen sind einige Stichworte. Denkt jemand, dass dieses Selbstverständlichkeiten sind? Und welchen ESG-Wert bekommt eine Tabakfirma, die Tabak biologisch anbaut oder der Waffenlieferant, der keine Kinder beschäftigt?

Unbeeindruckt von den fehlenden belastbaren Standards findet man bei der Auswahl der Kapitalanlagen, insbesondere bei Investmentfonds, schon jetzt „ESG-Ratings“. Auch die ersten ESG-Fonds wurden kreiert. Da liest man dann: „Der Fonds investiert unter Anwendung eines wertorientierten Investmentprozesses weltweit in Wertpapiere aller Art. Bei der Auswahl geeigneter Anlagen werden Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Kriterien berücksichtigt.“

Da es diese Kriterien zumindest politisch festgelegt noch nicht gibt und diese von wem auch immer festgelegten Aspekte auch nur „berücksichtigt“ werden, darf ein Anleger noch ein gesundes Misstrauen haben. Und gleichzeitig ist auch Wertentwicklung gewünscht. Die Konkurrenz und der Index müssen geschlagen werden. Ein Vermögensverwalter spricht es so aus: “ Stellt man nur noch ESG-Nachhaltigkeitsanforderungen an ein Portfolio, so müssen andere wichtige Erfolgsfaktoren vernachlässigt werden, sodass aufgrund des dann zu stark eingeschränkten und auf zu wenige Branchen und Länder fokussierten Anlageuniversums die Streuungsbreite verloren geht, Klumpenrisiken entstehen können und die Effizienz des Portfolios eventuell sinkt.

Was kann der Privatanleger nun tun?

Wer sehr bewusst Lebensmittel einkauft und auf „Bio-Anbau“ achtet, gibt sich nicht mit dem „EU-Siegel“ zufrieden, sondern achtet auf den Anbauverband. Demeter, Naturland oder Bioland haben strenge und nachvollziehbare Grundsätze. Andere sehen es weniger streng und ihnen reicht der EU-Standard. Und immer noch die meisten Verbraucher legen selbst keinen großen Wert auf diese Aspekte und definieren Qualität auf andere Weise.

Genau so funktioniert es auch in der Geldanlage. Wer es genau wissen möchte, muss sich näher mit dem Thema befassen.  Welches sind die persönlich wichtigsten Zukunftsthemen? Wasser, Gesundheit, Ernährung, Bildung oder erneuerbare Energie? Sollen Unternehmen aus dem Umfeld Atomkraft, Kohle, Erdöl, Chlorchemie, offene Gentechnik, Militär ausgeschlossen bleiben? Mit diesen Kriterien lassen sich Geldanlagen finden, die dem Wunsch, globale Wirtschaftsprozesse mitzugestalten, entsprechen.

Für andere Anleger gilt: ESG ist ein Schritt in die richtige Richtung und hoffentlich gibt es bald belastbare objektive Kriterien als Hilfestellung. Und wer diese Themen nicht so hochhängt, sollte wissen, ob seine anderweitig gefällten Entscheidungen auch tatsächlich seiner oder ihrer Risikobereitschaft und Tragfähigkeit entspricht und welche Kosten dabei entstehen.

Eine Vermögensanlage beginnt mit einer umfassenden Beratung, die ich gerne anbiete. Gemeinsam analysieren wir Ihre persönliche Situation und entwickeln ein auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Anlagekonzept. Weitere Infos zu diesem Thema: https://audoersch.fuggerbank-investment.de/