BGV Schülerversicherung "Rosa Zettel"

Skandal? BGV reagiert auf den „Versicherungskäse“ Schüler-Zusatzversicherung

Ralph Audörsch Haftpflicht, Kinder, Unfall

September 2018 – Der Negativpreis „Versicherungskäse“ vom Bund der Versicherten (BdV) ging 2018 an die Schülerzusatzversicherung der BGV. Diese habe ich hier beschrieben.

Der BdV stößt sich hierbei nicht nur an aus seiner Sicht zu geringen Leistungen der enthaltenen Teilversicherungen, sondern vor allem am Vertrieb. Die Anträge dieser Versicherungen werden nämlich von den Lehrkräften an die Schüler verteilt. „Nach Ansicht der Jury aus Versicherungsexperten ist die Beteiligung des Landes Baden-Württemberg an diesem besonderen System des Vertriebes von Versicherungen ein Skandal“, kritisiert der BdV und zitiert aus dem Jury-Urteil: „Versicherer und andere Finanzdienstleister haben aus Sicht der Jury an Schulen nichts zu suchen. Weder als Sponsor von Unterrichtsmaterialien noch als Vertreiber von Versicherungen für Schüler. Dies muss erst Recht für Verträge gelten, deren Unsinn nur so zum Himmel schreit.“

Dies sieht man bei dem betroffenen Versicherer naturgemäß anders. Auf procontra-Nachfrage betonte die BGV, dass es sich bei der Schülerversicherung um ein freiwilliges Angebot handele. Zwar sei man sich bewusst, dass viele Schüler bereits Versicherungsschutz über eine private Haftpflichtversicherung erhielten, allerdings würde bei 15 Prozent der Haushalte ein solcher Schutz nicht vorliegen. Eine private Unfallversicherung hätte zudem weniger als die Hälfte der Haushalte. Die Schülerversicherung biete somit „auch denjenigen Schülern eine Möglichkeit auf Versicherungsschutz, zumindest im Umfeld des Schulbesuchs, die keine weitere Absicherung haben“.
Einen hinter der Schülerzusatzversicherung steckenden Vertriebsansatz verneinte die BGV. „Die Liste der versicherten Schülerinnen und Schüler verbleibt immer bei den Schulen, wir erhalten nur im Schadenfall Kenntnis über die Namen“, erklärte ein Sprecher gegenüber procontra.
Zu Beginn des Jahres hatte es schon einmal Diskussionen über die Versicherung gegeben. Eltern hatten dabei kritisiert, dass sie unter Druck gesetzt würden, die Versicherung abzuschließen, wie der SWR berichtete. Das Kultusministerium von Baden-Württemberg erklärte daraufhin, in Zukunft besser über die Schüler-Zusatzversicherungen informieren zu wollen. So solle in einem Schreiben an alle Schulleiter und Regierungspräsidien deutlich gemacht werden, dass die Schulen beim Abschluss solcher Versicherungen keinen Druck ausüben dürften.