Versicherung schlägt Depot? Von Kosten und Flexibilität

Ralph Audörsch Altersvorsorge, Investment, Rente

Versicherungslösungen in der Kapitalanlage oder Altersvorsorge werden von manchen kritisch gesehen. Es wird kritisiert, dass Versicherungen nicht flexibel seien und hohe Kosten hätten, die man bei einem reinen Depot vermeiden könne.
Der Vorteil der besseren steuerlichen Behandlung einer Versicherung würde dieses nicht aufwiegen.

Was aber würde sich ändern, wenn eine Versicherungslösung folgende Ansprüche erfüllt?

  • keine Abschlusskosten (Provisionen) im Versicherungsvertrag
  • Kickbacks der Fonds werden zu 100% an den Anleger weiter gegeben
  • Sämtliche Transaktionen können vom Kunden selbst über SMS-TAN Verfahren schnell erledigt werden, inklusive Beitragsfreistellung als auch Zuzahlungen wie er es im Depot kennt
  • Kostenfreie Reportings geben jederzeit einen detaillierten Überblick über die Anlage und ihre Entwicklung
  • Der Berater erstellt in der Beratung mit dem Kunden ein Portfolio, das auf den Kunden und seine Bedürfnisse passt, gut diversifiziert ist und regelmäßig überwacht wird
  • Dabei hat er eine sehr große Auswahl der in Deutschland zugelassenen Investmentfonds inklusiver günstiger ETFs

Dann würden alle Steuervorteile einer Versicherung gegenüber einer reinen Depotlösung zur Geltung kommen.

Besonders zu nennen ist:

  • für ordentliche Erträge (Zinsen und Dividende) werden nicht jedes Jahr Steuern fällig und die gestundeten Beträge bleiben so beim Anleger. Diese erzielen somit über die Jahre einen deutlichen Zinseszinsvorteil.
  • außerordentliche Erträge (Wertsteigerungen) werden im Depot bei Umschichtung der Fonds steuerpflichtig, da die Gewinne in diesem Moment realisiert werden. Im Versicherungsmantel wird darauf keine Steuer fällig und somit hat der Anleger keinen Abfluss an das Finanzamt. Je aktiver der Anleger ist, desto stärker wirkt dieser Effekt. Aber selbst bei einer „Buy and hold“ Strategie ist zwischenzeitlich ein Rebalancing notwendig
  • Wird der Versicherungsmantel mindestens 12 Jahre gehalten und ist der Anleger bei der Auszahlung mindestens 62 Jahre alt, greift auf die gestundeten Steuern, die den Zinseszinseffekt erzielt haben, nur das Halbertragsverfahren. Eine Hälfte des Ertrages wird also gar nicht der Steuer unterzogen
  • Erstattete Kickbacks werden im Depot sofort steuerpflichtig, nicht jedoch im Versicherungsmantel
  • Und wenn der Anleger verstirbt? Wird ein Depot vererbt, wird auf die geerbten Gewinne Abgeltungssteuer mit Soli und Kirchensteuer fällig. Ist dieses Depot aber in einem Versicherungsmantel, so handelt es sich beim gesamten Depot und somit auch bei den Gewinnen im Depot um eine steuerfreie Todesfallleistung. Eine hervorragende Möglichkeit einer optimierten Vermögensweitergabe, die viele tausend Euro ausmachen kann!

Gibt es auch eine Kehrseite bei der Lösung mit Versicherungsmantel?

Theoretisch ja. Um das Steuerprivileg nutzen zu können, müssen die Fonds im Besitz des Versicherers sein und stellen kein Sondervermögen des Anlegers dar. Somit könnte man Angst vor einer Insolvenz der Versicherung haben. Jedoch: Nach § 315 VAG sind Fondsanteile vorrangig vor allen anderen Insolvenzgläubigern an die Kunden auszukehren. Nach § 314 kann die Bundesaufsicht BaFin zur Abwehr einer Insolvenz die Leistungen kürzen. Jedoch: Dieses gilt nur für Leistungen des Versicherers, zum Beispiel Zinsversprechen. Die Fonds sind jedoch kein Versprechen der Versicherung und somit nicht betroffen. Praktisch muss also vom Anleger nichts befürchtet werden.

Zu beachten bei üblichen Versicherungsangeboten

Der Versicherungsmantel um die Geldanlage muss die obigen Ansprüche erfüllen. Das macht er meist nicht, wenn der Anleger die üblichen Bruttotarife bei Versicherungsvermittlern nimmt. Aufgrund der Abschlusskosten bleiben die Verträge teilweise jahrelang im Minus und können die genannten Vorteile so nicht erzielen. Auch dauerhafte hohe Verwaltungskosten belasten einen Vertrag. Diese werden zwar in den Bedingungen genannt, doch häufig werden sie in der Beratung im Verkauf nicht thematisiert und sind für den Anleger schwer herauslesbar.

Wie kommt man an das richtige Angebot?

Doch wie kommt man als Anleger an einen kostengünstigen Versicherungsmantel, der ja fast an eine eierlegende Wollmilchsau erinnert und wie wird dann ein Berater vergütet, wenn keine Provisionen im Angebot versteckt sind? Diese Fragen beantworte ich in einem nächsten Artikel und im persönlichen Gespräch.

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