Riester-Reform

Ralph Audörsch • 30. Januar 2026

Riester-Reform: Was ändert sich – und was sollten Sie als Riester-Sparer jetzt tun?


Hausaufgaben für Riester-Sparer

Kurz vor Weihnachten hat die Bundesregierung eine große Reform der privaten, staatlich geförderten Altersvorsorge beschlossen. Die klassische Riester-Rente wird in ein neues System überführt. Für Riester-Sparer heißt das: Der Vertrag bleibt bestehen, aber die Regeln für die Zukunft ändern sich.


Was passiert mit Riester-Verträgen?

Für alle, die schon einen Riester-Vertrag haben, gilt erst mal Entwarnung. Ihr Vertrag läuft ganz normal weiter und kann auch nach der Reform weiter bespart werden. Es gibt keine automatische Kündigung und keinen Zwang, in das neue System zu wechseln. Ab dem 1. Januar 2027 können nur keine neuen Verträge mehr nach dem alten Riester-Modell abgeschlossen werden. Geplant ist, dass Sie später die Möglichkeit bekommen, Ihren bestehenden Vertrag in ein neues, reformiertes Produkt (z. B. ein Altersvorsorgedepot) zu übertragen. Wie genau das aussehen wird, klärt sich voraussichtlich ab 2027.


Mehr Kapitalmarkt, weniger Garantien

Der größte Einschnitt ist der Abschied von der starren 100-Prozent-Beitragsgarantie als Pflicht. Künftig sollen Produkte deutlich freier am Kapitalmarkt investieren können. Statt zwingender 100-Prozent-Garantie soll es Produkte mit 100 %, 80 % oder auch ganz ohne Garantie geben. Neu ist ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgaben, mit dem Sie gefördert in ETFs und Fonds investieren können. Ziel ist, die Renditechancen langfristig zu erhöhen und die Inflation besser auszugleichen.

Künftige geförderte Produkte können sich also stärker wie ein langfristiger ETF-Sparplan verhalten – mit Schwankungen unterwegs, aber besseren Ertragschancen über 20 bis 30 Jahre.


Wie viel Geld gibt der Staat dazu?

Für Ihre Planung ist entscheidend, wie die Förderung künftig gedacht ist. Die Idee: Die Förderung wird konsequent beitragsabhängig – je mehr Sie einzahlen, desto mehr Unterstützung gibt es.

Geplante Grundförderung: Für die ersten 1.200 Euro pro Jahr: 30 % Zuschuss, für weitere 600 Euro (1.200–1.800 Euro): 20 % Zuschuss. Der maximal geförderte Eigenbeitrag liegt somit bei 1.800 Euro pro Jahr. Die maximale Grundzulage dürfte so bei 480 Euro pro Jahr liegen.

Kinderzulage und Familien: Eltern sollen zusätzlich pro Spar-Euro und Kind einen Zuschlag erhalten, gedeckelt auf 25 % je Kind, maximal 300 Euro. Kritisch gesehen wird, dass Haushalte mit niedrigen Sparbeiträgen – häufig Familien mit mehreren Kindern und niedrigerem Einkommen – gegenüber den Riester-Verträgen weniger Förderung bekommen als heute. Für bestehende Riester-Verträge gilt weiterhin das bekannte Zulagensystem. Spannend wird für Sie die Frage, ob ein späterer Wechsel in das neue System mit der neuen Förderung für Ihre persönliche Situation mehr bringt oder es besser ist, weiter zu riestern.


Rente oder Auszahlplan?

Neu ist auch, dass neben der klassischen lebenslangen Rente Auszahlpläne möglich werden sollen. Künftig soll neben der lebenslangen Rente ein Auszahlplan zulässig sein, wenn er mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Danach kann eine Restverrentung folgen – sie muss aber nicht. Genau hier sehen Fachleute das Risiko: Wer sehr alt wird, könnte im Extremfall im hohen Alter ohne Leistungen aus der geförderten Vorsorge dastehen. Vor allem Versicherer kritisieren, dass das Langlebigkeitsrisiko stärker auf den Einzelnen verlagert wird, wenn viele sich für Auszahlpläne statt für eine lebenslange Rente entscheiden.

Für Sie bedeutet das: Ein Auszahlplan kann am Anfang mehr Flexibilität und eventuell höhere Auszahlungen ermöglichen. Eine lebenslange Rente gibt Ihnen dagegen Sicherheit, auch mit 90 oder 95 Jahren noch eine Zahlung zu bekommen. Welche Variante für Sie sinnvoller ist, hängt von Ihrer Gesundheit, Ihren weiteren Einkünften (gesetzliche Rente, Betriebsrenten, Vermögen) und Ihrem Sicherheitsbedürfnis ab. Die entscheidende Variable - Ihr Todeszeitpunkt - wäre rechnerisch hilfreich, doch besser ist es, wir kennen sie nicht.


Kosten, Beratung und Standardprodukt

Die Reform greift auch in die Kostenstruktur und die Art der Beratung ein – mit positiven Effekten, aber auch einigen Haken. Anbieter müssen künftig ein Standardprodukt mit einfacher Struktur und gedeckelten Kosten anbieten. Geplant ist ein Kostendeckel, z. B. bei rund 1,5 %. Kostenreduzierte Standardprodukte helfen beim günstigen Einkauf. Eine individuelle, unabhängige Beratung, die Ihre Lebenssituation, Familie und übrige Vorsorge mit einbezieht, könnte dann über ein Beratungshonorar abgegolten werden, damit Sie eine planvolle und abgestimmte Altersvorsorge aufbauen können.


Was sollten Riester-Sparer jetzt tun?

Die Reform steht, die Details werden bis 2027 weiter ausgestaltet. Trotzdem können Sie jetzt schon wichtige Weichen stellen. Schauen Sie sich Ihren aktuellen Riester-Vertrag genau an: Art des Produkts (Versicherung, Fonds, Bank), Kosten, bisherige Entwicklung, Laufzeit. Prüfen Sie, ob Sie alle Zulagen ausschöpfen oder ob Ihr Eigenbeitrag angepasst werden sollte.


Förderlogik vergleichen

Lassen Sie 2027 durchrechnen, wie sich Ihre heutige Förderung im Vergleich zum neuen, beitragsabhängigen Modell darstellen würde – vor allem dann, wenn Sie höhere Beiträge leisten können. Für Gutverdiener mit stabilen Sparraten kann das neue System sehr attraktiv werden. Bei Familien mit geringeren Einkommen und mehreren Kindern muss genauer hingeschaut werden.

Haben Sie noch 15–30 Jahre bis zur Rente, können geringere Garantien oder ein späterer Wechsel in ein stärker kapitalmarktorientiertes Produkt sinnvoll sein, um die Renditechancen besser zu nutzen. Bei 10 oder weniger Jahren bis zum Ruhestand kann die höhere Sicherheit Ihres bestehenden Vertrags wichtiger sein als zusätzliche Ertragschancen, die gleichzeitig Risiken sind.

Überlegen Sie rechtzeitig, ob für Sie eher eine lebenslange Rente oder ein Auszahlplan passt – und wie das mit Ihren übrigen Renten und Ihrem Vermögen zusammenspielt. Alle alltäglichen Ausgaben sollten über eine lebenslange Rente gedeckt sein.

Da sich durch die Reform gleich mehrere Stellschrauben ändern (Förderung, Garantien, Kosten, Auszahlmodelle), stehe ich für eine Analyse Ihrer Situation zur Verfügung.


Totgesagte leben länger

Die Reform bedeutet kein „Aus“ für Riester, sondern einen Neustart mit mehr Kapitalmarkt, flexibleren Produkten und einer neuen Logik bei der Förderung. Für viele Sparer entstehen höhere Renditechancen, gleichzeitig steigt der Anspruch an eine durchdachte Strategie – gerade mit Blick auf die Frage, ob und wann ein Wechsel ins neue System sinnvoll ist. Es gibt viele Konstellationen, in den ein Riester-Vertrag die bessere Wahl bleiben wird.


Jetzt noch einen neuen Riester?

Wenn Sie noch keinen Riester-Vertrag haben: Werden Sie dieses Jahr noch aktiv und prüfen Sie, ob die derzeitige Förderung für Sie vorteilhaft ist. Falls ja, kann es sinnvoll sein, kurz vor Toresschluss noch eine Riester-Förderung zu sichern. Sollte sich die Situation später ändern, ist ein Wechsel in die neue Form möglich. Warten Sie also nicht einfach ab. Nutzen Sie die nächsten Monate, um einen Abschluss zu prüfen, (bitte auf Kosten achten!), oder Ihren Riester-Vertrag zu untersuchen und einen klaren Plan zu entwickeln, wie Sie ab 2027 von den neuen Möglichkeiten profitieren können.


Persönliches Beratungsangebot

Wenn Sie eine Riester-Rente besitzen und wissen möchten,

  • ob sich das Festhalten am bestehenden Vertrag lohnt,
  • ob ein späterer Wechsel in ein neues Altersvorsorgedepot für Sie infrage kommt oder
  • wie Ihre Riester-Rente optimal in Ihre gesamte Altersvorsorge eingebettet werden kann,

unterstütze ich Sie als unabhängiger Versicherungsmakler und Generationenberater gerne. In einem persönlichen Gespräch in Ottersweier oder per Online-Beratung analysiere ich Ihre Situation und entwickle mit Ihnen gemeinsam eine passende, verständliche Lösung.