Arbeitsunfähigkeit

Ralph Audörsch • 20. Februar 2026

Wenn das Einkommen ins Schlingern gerät

Teil 1: Arbeitsunfähigkeit

Wenn Ihr Einkommen ins Schlingern gerät, beginnt das meist nicht mit der Berufsunfähigkeit, sondern viel früher: mit einer längeren Krankheit und der Arbeitsunfähigkeit nach der sechsten Woche – genau hier entsteht für Arbeitnehmer eine gefährliche Einkommenslücke.


Was passiert bei längerer Krankheit?

In den ersten sechs Wochen einer Krankheit zahlt Ihr Arbeitgeber das volle Gehalt weiter. Ab dem 43. Krankheitstag springt die gesetzliche Krankenkasse ein und zahlt Krankengeld. Dieses Krankengeld beträgt 70 % des Bruttogehalts, aber maximal 90 % des Nettogehalts; von diesem Betrag gehen noch Beiträge zur Renten‑, Arbeitslosen‑ und Pflegeversicherung ab. In der Praxis bleiben Ihnen daher meist nur rund 75–80 % Ihres bisherigen Nettogehalts übrig.

Wichtig: Diese Regelung betrifft alle gesetzlich versicherten Arbeitnehmer – unabhängig davon, ob später einmal eine Berufsunfähigkeit festgestellt wird. Viele sind überrascht, wie deutlich das verfügbare Einkommen schon in dieser Phase sinkt.

Beispiel: Familie mit Durchschnittseinkommen

Nehmen wir Herrn M., 40 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, Angestellter mit einem Bruttogehalt von 4.400 € im Monat. Sein Nettogehalt liegt in Steuerklasse 3 bei 3.215 €.

  • Wochen 1–6: Herr M. ist krankgeschrieben, erhält aber weiterhin sein volles Netto von etwa vom Arbeitgeber.
  • Ab Woche 7: Der Arbeitgeber zahlt nicht mehr, die gesetzliche Krankenkasse leistet Krankengeld.

Das Krankengeld beträgt 70 % von 4.400 € = 3.080€, darf aber 90 % des Nettos (2.893 €) nicht übersteigen. Maßgeblich sind also 2.893 € brutto Krankengeld. Davon werden noch Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung abgezogen (Renten‑, Arbeitslosen‑, Pflegeversicherung), sodass Herr M. am Ende z.B. nur noch rund 2.541 € ausgezahlt bekommt.

Die monatliche Lücke gegenüber dem bisherigen Nettoeinkommen von 2.600 € beträgt damit jeden Monat 673 €, solange die Arbeitsunfähigkeit andauert. Für eine Familie mit zwei Kindern und laufenden Verpflichtungen ist das ein spürbarer Einschnitt.

Warum diese Lücke so gefährlich ist

Die Phase der Arbeitsunfähigkeit kann sich über viele Monate hinziehen, ohne dass bereits Berufsunfähigkeit festgestellt wird. In dieser Zeit sind viele Kosten jedoch kaum zu kürzen. Gerade bei Familien in der Ausbildungsphase der Kinder ist das Budget ohnehin angespannt. Kommt dann eine Einkommenslücke von 500 € oder mehr pro Monat hinzu, müssen häufig Rücklagen aufgelöst oder Kredite erhöht werden. Das kann die langfristige Vermögensplanung (Altersvorsorge, Tilgungsplan fürs Eigenheim) dauerhaft durcheinanderbringen.

Typische Lebensphasen mit besonderem Risiko

Es gibt Lebenssituationen, in denen eine solche Lücke besonders kritisch ist:

  • Eigenheimbesitzer in der Tilgungsphase
  • Familien mit kleinen oder schulpflichtigen Kindern
  • Alleinverdiener oder Haushalte mit stark ungleichem Einkommen

Diese Risiken bestehen unabhängig davon, ob irgendwann eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird. Die entscheidende Frage lautet: Wie überbrücken Sie die Zeit zwischen der sechsten Woche Arbeitsunfähigkeit und einer möglichen langfristigen Leistung?

Arbeits- vs. Berufsunfähigkeit – beide Ebenen wichtig

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung sichert Ihre Existenz, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben können. Bis zu dieser Feststellung vergeht aber häufig Zeit – medizinische Gutachten, Prüfungen durch den Versicherer etc. In dieser Phase sind Sie „nur“ arbeitsunfähig, beziehen Krankengeld und haben die oben beschriebene Einkommenslücke.

Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur an den langfristigen Schutz (BU‑Rente), sondern auch an die erste Stufe zu denken: Eine private Krankentagegeldversicherung kann diese Lücke schließen oder deutlich reduzieren. Die Beiträge hierfür sind günstiger, als viele annehmen. So bleibt Ihre finanzielle Planung auch bei längerer Krankheit stabil – egal, ob am Ende Berufsunfähigkeit festgestellt wird oder Sie wieder in den Beruf zurückkehren.

Wie groß ist Ihre persönliche Lücke?

Wie hoch Ihre individuelle Lücke im Krankheitsfall tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab: Damit Sie nicht im Nebel stochern, können Sie Ihre persönliche Lücke bequem online berechnen: Nutzen Sie dazu auf unserer Website das Finanztool im Menü „Absicherung“, Bereich „Krankengeld GKV Arbeitnehmer“ unter www.audoersch.com/finanztools. Hier sehen Sie schnell, wie stark Ihr Einkommen nach der sechsten Woche tatsächlich sinkt und welchen zusätzlichen Schutz Sie benötigen. im Reiter „Absicherung“ – „Krankengeld GKV Arbeitnehmer“  verschaffen Sie sich einen klaren Überblick.

Einladung zur Beratung

Eine längere Krankheit ist schon Belastung genug – finanzielle Sorgen sollten dann nicht auch noch dazukommen. Wer sich ausschließlich auf die Berufsunfähigkeitsabsicherung konzentriert, übersieht leicht die erste kritische Phase der Arbeitsunfähigkeit und damit eine oft mehrere hundert Euro große monatliche Einkommenslücke. Prüfen Sie deshalb rechtzeitig, wie Ihre Familie abgesichert ist.

Wenn Sie möchten, unterstütze ich Sie dabei, eine zu Ihrer Lebenssituation passende und günstige Lösung zu finden, damit Ihr Einkommen auch in stürmischen Zeiten stabil bleibt.

Ich möchte ein Angebot

Hinweise für Beamte, Freiberufler und Selbständige: Auch Sie sind von diesem Thema betroffen, wenn auch in anderer Form. Je nach Situation geringer oder sogar mit noch größeren Lücken als Arbeitnehmer. Melden Sie sich sich direkt bei mir persönlich, damit wir Ihre konkrete Situation besprechen können. 


"Wenn das Einkommen ins Schlingern gerät" ist eine dreiteilige Serie im Blog.

Teil 1: Arbeitsunfähigkeit (erschienen im Februar 226

Teil 2: Berufsunfähigkeit (erscheint im März 2026)

Teil 3: Pflegebedürftigkeit (erscheint im April 2026)

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